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Schnuffi bei der HNO - Untersuchung

Schnuffi wird operiert

Ohr


Tinnitus

Tinnitus ist ein von den Patienten wahrgenommenes Geräusch (Rauschen, Sausen, Klingen, Brummen, Pfeifen, Klopfen usw.) welches entweder kurzzeitig auftritt, oder über Monate bzw. Jahre die Lebensqualität deutlich herabsetzen kann. Dieses Phänomen kann sowohl einseitig, als auch beide Ohren betreffend auftreten.

Häufigkeit
In Österreich dürften rund 800.000 Menschen Ohrgeräusche als „lästige“ Begleiter haben, wobei ca. 100.000 Betroffene in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigt sind und weitere 40.000 durch eine akustische Hölle gehen.

Ursachen
Diese sind weitgehend ungeklärt. Einerseits wird wiederholt von Tinnitus im Zusammenhang mit lauten akustischen Eindrücken (Rockkonzert, Diskothek, Silvesterknallerei usw.) berichtet, anderseits tritt Tinnitus auch gleichermaßen im Zusammenhang mit bestimmten psychosozialen Ereignissen oder auch bei Durchblutungsstörungen auf. Auch in Bezug auf die Lokalisierung des Leidens, gehen die Meinungen unter Fachexperten weitgehend auseinander.

Einteilung
Diese erfolgt nach folgenden Kriterien:
• Zeitverlauf
• Entstehungsmechanismus
• Ort der Entstehung
• sekundäre Symptomatik

Einteilung nach dem Zeitverlauf
• Akuter Tinnitus: Besteht weniger als 3 Monate.
• Subakuter Tinnitus: Besteht zwischen 3 Monaten und 1 Jahr.
• Chronischer Tinnitus: Besteht länger als 1 Jahr.

Einteilung nach dem Entstehungsmechanismus
• Objektiver Tinnitus: Es existiert eine körpereigene physikalische Schallquelle in der Nähe des Ohres, deren Schallaussendungen gehört werden (z.B. gefäß- oder muskelbedingte Geräusche). Diese Geräusche sind mit entsprechenden Geräten messbar.
• Subjektiver Tinnitus: Es liegt eine fehlerhafte Informationsbildung im auditorischen System ohne Einwirkung eines akustischen Reizes vor. Dieser Tinnitus ist durch diagnostische Hilfsmittel nicht messbar.
Einteilung nach dem Ort der Entstehung:
Äußeres Ohr – Mittelohr – Innenohr - Hörnerv – zentrales auditorisches System.

Einteilung nach der sekundären Symptomatik
• Kompensiert: Der Leidensdruck ist lediglich gering und die Lebensqualität ist nicht sonderlich beeinträchtigt.
• Dekompensiert: Das Ohrgeräusch hat starke Einflüsse auf alle Lebensbereiche und endet in einer Entwicklung einer Nachfolgesymtomatik (Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Depressionen sowie Angstzustände).

Anamnese (Patientengespräch)
Diese ist ein wichtiger Eckpfeiler bezüglich der weiteren Vorgangsweise. Viele Kriterien, die in die Diagnostik einfließen, lassen sich durch ein genaues Anamnesegespräch schon im Vorfeld relativieren. Hier sollte nicht ein standardisiertes Diagnoseschema zur Anwendung kommen, sondern individuell die möglichen Ursachen erfasst werden.

Diagnostik
Hier werden, abhängig von der möglichen Ursache vorerst folgende Bereiche abgeklärt (Reihenfolge von Anamnese abhängig):
• HNO-Untersuchung: Trommelfellmikroskopie, Inspektion des Nasen-Rachenraumes.
• Ultraschall der hirnversorgenden Arterien (Existiert eine Symptomatik bei Kopfdrehungen?)
• Tinnitusmatch (Bestimmung von Lautstärke und Frequenz des Tinnitus aufgrund der Angaben des Patienten)
Tonaudiogramm - Sprachaudiogramm
• BERA (Hirnstammaudiometrie mit Analyse von akustisch ausgelösten Hirnströmen)
• Untersuchung der Halswirbelsäule
• Inspektion des Gebisses und des Kauapparates
• Felsenbein-Computertomographie
• Kernspintomographie bei pathologischer Hirnstromanalyse oder einseitiger Taubheit
• digitale Subtraktionsangiographie (Gefäß-Kontrastmitteldarstellung) bei pulssynchonem Tinnitus
• psychologische Abklärung


Therapie
Abhängig von der Art des Tinnitus kann man leider nicht von einer 100% igen Heilungschance ausgehen. Eine Verringerung des Tinnitus und des damit verbundenen Leidensdrucks ist aber oft möglich.


1.) Derzeit übliche Therapie:

Objektiver Tinnitus
Körpereigene physikalische Schallquellen sollten ausgeschlossen werden.

Subjektiver Tinnitus
Hier richtet sich das Vorgehen weitgehend nach der Dauer des Leidens:
a) Akuter Tinnitus
Die Therapie sollte innerhalb der ersten 5 Tage beginnen. Hier kommen z.B. durchblutungsfördernde Substanzen, Kortison, Plasmaexpander, Procain oder andere, das Innenohr aktivierende Substanzen, zur Anwendung. Die hyperbare Sauerstofftherapie (Druckkammer) birgt auch Gefahren in sich und kommt nur im Einzelfall zur Anwendung.
b) Subakuter Tinnitus
Abgesehen von der Akuttherapie kommen Tinnitusmasker, Retraining-Therapie, Neuraltherapie und Akupunktur zur Anwendung.
c) Chronischer Tinnitus
Kompensiert: Ziel ist die Gewöhnung des Patienten an das Ohrgeräusch und die permanente Betreuung durch den Arzt ohne die Verabreichung von Medikamenten.
Dekompensiert: Psychotherapien wie oben genannt sowie die Anpassung von Hörgeräten bzw. Maskern, Retraining-Therapie, Angstbewältigung (Psychopharmaka) und autogenes Training.


2.) Spezielle Therapien

Retrainingtherapie

Den Grundstein legten Hazel (bedeutender Tinnitusspezialist in England) und Jastreboff (Neurologe und Tinnitusforscher in Baltimore, USA). Sie fanden heraus, daß normalerweise durch akustische „Filter“ die körpereigenen Geräusche (Schluckgeräusche, Strömungsgeräusche des Blutes etc.) für uns nicht wahrnehmbar sind, aber im pathologischen Fall durch eine Störung dieser Filter eine Wahrnehmung der unterschiedlichsten Geräusche erfolgen kann. Tinnitus ist somit eine zentrale Verarbeitungsstörung von Höreindrucken, die in unterschiedlichster Weise mit negativen Gedanken und Impulsen aus dem limbischen System, unserem seelischen Zentrum im Gehirn, verknüpft sein können. Der therapeutische Ansatz, der aus diesen Vorstellungen resultiert, ist die Desensibilisierung (Gewöhnung) dieser zentralen Vorgänge. Es wird versucht, die gestörte Filterfunktion unseres Hörsystems wiederherzustellen und unsere akustische Wahrnehmung von den Störgeräuschen abzukoppeln. Dadurch wird der Tinnitus als nicht mehr störend empfunden oder kaum mehr wahrgenommen.

Masker
Eine Therapie mit dem Geräuschgerät kommt dann zur Anwendung, wenn die Therapie der Akutphase oder postakuten Phase bzw. eine Selbstheilung nicht mehr wirksam sind (frühestens nach 6 Monaten des Bestehens des Tinnitus). Tinnitus–Masker senden selbst Geräusche aus und leiten sie ins Ohr. Diese Geräusche sind neutral und werden in der Regel als angenehmer empfunden als die eigenen Ohrgeräusche. Durch den Tinnitus-Masker wird das Ohrgeräusch nicht einfach nur unterdrückt, sondern in seiner Entstehung gehemmt.

Hyperbare Sauerstofftherapie
Das Grundprinzip besteht in einer Erhöhung des Sauerstoff-Partialdruckes um 500%. Dies wird erreicht, indem die PatientInnen in 10 oder mehr Sitzungen jeweils eineinhalb bis zweieinhalb Stunden in einer Überdruckkammer verbringen. Eine Anwendung gibt es nur bei akutem Tinnitus (Symptomatik nicht über 3 Monate). Der Luftdruck beträgt 1,4 bis 1,5 bar (entspricht dem Druck einer Tauchtiefe von 14 – 15 Metern). Über Sauerstoffmasken wird 100 %iger Sauerstoff eingeatmet. Druckkammern stehen z.B. im LKH Graz oder im AKH Wien zur Verfügung.

Caroverin-Therapie
Stress (z.B. zu starker Lärm) oder Entzündungen bedingen eine Überreizung der Synapse zwischen inneren Haarzellen und afferenten Neuronen sowie eine übermäßige Glutamat-Ausschüttung. Dadurch entsteht eine Schädigung der Enden des Hörnervs. Die Reizweiterleitung durch den Hörnerv in das Gehirn ist unterbrochen. Caroverin legt sich schützend um die äußeren Enden des Hörnervs. Glutamat-Rezeptoren werden blockiert und das Glutamat am übermäßigen Eindringen gehindert. Der Hörnerv kann sich wieder erholen.

Pulsierende Signal Therapie
Diese geht von der Annahme aus, daß Störsignale vom Innenohr an das Gehirn gesendet, und dort als Tinnitus wahrgenommen werden. Mittels sogenannter Applikatoren (hinter beiden Ohren) werden niederfrequente Magnetfelder erzeugt. Der so entstehende Induktionsstrom gelangt an die Haarzellen des Innenohres und bewirkt eine Anregung des Zell-Stoffwechsels, eine Verbesserung der Sauerstoff-Ausnutzung und die Regeneration von funktionsgeschädigten Zellen. Die Therapie erfolgt teilweise in HNO-Ordinationen bzw. können die Geräte auch gemietet und zu Hause eingesetzt werden.

Tinnitus-Liga Österreich
Diese besteht aus 16 Selbsthilfegruppen. Es werden regelmäßig Vorträge von Tinnitus-Spezialisten mit Diskussionsmöglichkeiten veranstaltet. Die Teilnahme ist gratis! Auf Anfrage ist auch eine Zeischrift der Österreichischen Tinnitus-Liga erhältlich.

Autor: FA Dr. Robert Repasi


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